Grußwort von Waqar Tariq zur Veranstaltung „Ohne Judentum kein Islam“ (9.9.2026) im Rahmen der Jüdischen Kulturwochen Darmstadt 2026
Lieber Herr Neumann,
lieber Mouhanad,
meine sehr verehrten Damen und Herren!
Ich darf Sie im Namen des Liberal-Islamischen Bundes, des Ko-Veranstalters des heutigen Abends, herzlich begrüßen. Mein Name ist Waqar Tariq, ich bin Mitglied des Bundesvorstands und Koordinator der Frankfurter Gemeinde des Liberal-Islamischen Bundes.
Meine Damen und Herren, wir leben in aufgeheizten und polarisierten Zeiten. Jüdinnen und Juden bekommen dies seit dem 7. Oktober 2023 auch hierzulande ganz besonders zu spüren in Form von antisemitischen Anfeindungen.
Antisemitismus hat unterschiedliche Formen und ist, wie wir aus empirischen Studien seit Jahrzehnten wissen, ein gesamtgesellschaftliches Phänomen. Antisemitische Einstellungen durchziehen alle gesellschaftlichen Gruppen und sind bedauerlicherweise auch unter Muslimen vorzufinden.
Als gläubige Muslime und als islamische Religionsgemeinschaften stehen wir in einer besonderen Verantwortung, uns dem entgegenzustellen. Nicht, weil dies jemand anderes von uns verlangt – etwa die restliche Gesellschaft oder der Staat –, sondern, weil dies unsere Religion von uns verlangt.
Denn wenn wir als Muslime davon überzeugt sind, dass der Islam eine schöne Religion ist, dann ist damit Menschenhass nicht vereinbar. Und Judenhass ist Menschenhass. Und als gläubiger Mensch kann man nicht den Schöpfer lieben, aber Seine Schöpfung hassen.
Der Publizist Michel Friedman pflegt darauf hinzuweisen, dass niemand als Antisemit geboren wird. Und der Philosoph Theodor Adorno bezeichnete Antisemitismus einst als „das Gerücht über die Juden“. Anders ausgedrückt: Es sind die in der Gesellschaft existierenden Erzählungen über Juden, die den Geist von Menschen mit Antisemitismus bzw. Antijudaismus vergiften.
Und hier kommen der Sinn unserer Veranstaltung und unser Referent ins Spiel. Erzählungen werden am effektivsten mit Gegenerzählungen bekämpft. Die heutige Veranstaltung soll Raum bieten für eine alternative Erzählung über das Verhältnis des Islams zum Judentum.
Wir freuen uns, für dieses Anliegen einen hochkarätigen Referenten mit Professor Mouhanad Khorchide gewonnen zu haben, den ich im Folgenden kurz vorstellen möchte.
Mouhanad Khorchide ist einer der renommiertesten und profiliertesten Islam-Experten Deutschlands. Er ist seit 2010 Professor für Islamische Religionspädagogik, seit 2020 zudem für Koran und Koranexegese, an der Universität Münster und leitete ab 2011 als geschäftsführender Direktor das dort angesiedelte Zentrum für Islamische Theologie, aus dem im Juli 2026 die erste Islamisch-Theologische Fakultät Deutschlands hervorging, zu deren Gründungsdekan er bestellt worden ist.
Mouhanad Khorchide ist ein gefragter Experte zum Islam bei Medien, Staat und Zivilgesellschaft und Mitglied verschiedener staatlicher Beratergremien, unter anderen des Beraterkreises Islamismusprävention und Islamismusbekämpfung des Bundesministeriums des Innern.
2019 wurde er mit dem „Toleranzring“ der Europäischen Akademie der Wissenschaften und Künste ausgezeichnet und ist ferner u.a. Vorstandsmitglied von begegnen e.V., einem Verein zur Förderung der interreligiösen Verständigung.
Er ist zudem Autor zahlreicher Publikationen. Unter vielen seien nur das 2012 erschienene Buch „Islam ist Barmherzigkeit“ erwähnt, das als eines der einflussreichsten Bücher zum Islam der letzten Jahrzehnte gelten kann, und der von ihm seit 2018 herausgegebene Korankommentar „Herders Theologischer Koran-Kommentar“.
Letztes Jahr erschien von ihm im Herder Verlag das sehr lesenswerte Buch „Ohne Judentum kein Islam“, das titelgebend für unsere heutige Veranstaltung ist. In dem Buch dekonstruiert Mouhanad Khorchide antisemitische Deutungen des Islams und entwickelt ein Islamverständnis, das jüdisches Leben nicht nur toleriert, sondern bejaht, schützt und aktiv fördert.
Wir freuen uns, dass er seine diesbezüglichen Gedanken mit uns heute Abend teilen möchte und sind gespannt auf seinen ca. 45-minütigen Vortrag.
Lieber Mouhanad, ich übergebe dir das Wort.
Weitere Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.

